Die Große Rezession wird sicher eines Tages als das Standardwerk schlechthin zur aktuellen Rezession sein. Obwohl das Thema an sich natürlich eher als abturnend zu bezeichnen ist, gelang es Nikolaus Piper seines Zeichens Wirtschaftskorrespondent der Süddeutschen Zeitung ein Buch zu schreiben, dessen Lektüre ein wahres Vergnügen ist. In 14 Kapiteln wird ein meisterhaftes Gemälde der Wirtschaftkrise gemalt. Piper beschreibt dabei nicht nur die allgemeinen Ursachen, sondern auch die Akteure. Damit werden der Krise auch Gesichter gegeben. Stilistisch - wenngleich nicht sprachlich - erinnert dies ein kleines Bisschen an Stefan Zweigs Sternstunden der Menschheit. Es macht Spaß ein Buch eines offensichtlich hoch intelligenten Journalisten zu lesen, der ein ausgesprochen großes Allgemeinwissen hat, welches auch in Deutschland - trotz des hoffentlich im Vergleich zu den USA überlegenen Schulsystems (eines der benannten aktuellen Probleme dieser Krise)- nicht selbstverständlich ist. Von der ökonomischen Fachkompetenz her fühlt man sich beim Lesen regelmäßig an den Economist-Schreiberling Martin Wolf erinnert, der übrigens auch zitiert wird.

Fazit: Die Große Rezession ist ein Buch, dass man auf jeden Fall gelesen haben muss. Dieses Muss ist aber keinesfalls eine unangenehme Pflicht, im Gegenteil. Den einzigen Vorwurf, den man dem Buch machen kann, ist dass man zuweilen den Eindruck hat, es sei für den Weltmarkt und nicht für den deutschen Leser geschrieben. Angesicht der Qualität der Lektüre ist aber zu hoffen, dass insbesondere alle Politiker auf diesem Planeten das Buch lesen. So kann über diesen Sachverhalt aber durchaus wohlwollend hinweggesehen werden.

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